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Krisenzeiten meistern mit einer positiven Einstellung

Unser persönliches Mindset ist ein wesentlicher Faktor für ein gesundes Leben – und kann gerade in herausfordernden Zeiten hilfreich sein. Wir erklären mit Hilfe von Experten, was dahintersteckt.

Unsere Gedanken spiegeln die Realität nicht einfach wider, sie formen diese Realität vielmehr maßgeblich selbst“, sagte Professor Alia Crum im Jahr 2018 beim „World Economic Forum“ in Davos. Crum ist eine der weltweit bekanntesten Vertreterinnen der Mindset-Forschung und beschäftigt sich mit der Frage, inwiefern unsere geistige Haltung – also unser Mindset – sich auf unseren Alltag auswirkt.

Die Einstellung als Indikator für das Wohlbefinden

Studien haben gezeigt, dass unsere persönliche Einstellung und unser Selbstbild maßgeblich über unsere gesundheitliche Verfassung entscheiden. Besonders spannend: Nicht die tatsächliche sportliche Aktivität ist aussagekräftig, wenn es um das Sterblichkeitsrisiko geht, sondern die gefühlte Gesundheit. Das heißt, wer sich gesund fühlt, lebt länger. Menschen mit einer positiven Einstellung zum Älterwerden leben außerdem im Schnitt 7,5 Jahre länger als solche, die dem negativ entgegenblicken.

Psychologin und Coach Amelie Schomburg erklärt: „Unsere Einstellungen haben einen starken Einfluss auf unsere Gesundheit. Optimisten zum Beispiel zeigen deutlich weniger Symptome von Depressionen oder Angststörungen, dafür eine stärkere Selbstachtung. Dankbarkeitsübungen, in denen es darum geht den Fokus auf die guten Dinge in unserem Leben zu legen, haben auch gezeigt, dass sie Symptome von Depressionen reduzieren können.“

In schwierigen Zeiten eine positive Einstellung bewahren

Gerade in Krisenzeiten, wie wir sie jetzt auf Grund der Corona-Pandemie erleben, kann es verständlicherweise schwierig sein, wohlgelaunt durchs Leben zu gehen. Psychologin Amelie Schomburg rät deswegen dazu:

  • sich vor Augen zu führen, wie viel Gutes und Positives wir trotz allem in unserem Leben haben.
  • Selbstfürsorge zu betreiben, sich also zu fragen, was einem persönlich gerade helfen würde, um sich besser zu fühlen.
  • sich klar zu machen, dass auch diese Zeit irgendwann vorbeigeht.

Erste Hilfe an schlechten Tagen

Schomburg betont, dass es vollkommen normal und in Ordnung ist, angesichts täglicher Katastrophennachrichten und der allgemein herrschenden Unsicherheit auch mal in ein Loch zu fallen. „Um da wieder rauszukommen, sollte man achtsam mit sich selber umgehen“, sagt sie. „Was brauche ich jetzt? Was sind Dinge, die mir guttun? Einen Anruf bei Freunden zum Beispiel oder Bewegung und frische Luft. Wenn es ganz schlimm ist, sollte man sich natürlich professionelle Hilfe besorgen.“ Und wie können wir andere unterstützen, denen es gerade schlecht geht? „Zuhören!“ rät Amelie Schomburg. „Die negativen Emotionen des Gegenübers auf keinen Fall herunterspielen. Ängste und Sorgen sind in dieser Situation für viele sehr real. Man kann aber auch versuchen zu helfen, indem man den Fokus in Gesprächen auf die positiven Dinge zu lenken versucht. Und indem man selbst als gutes Beispiel mit positiver Einstellung vorangeht.“ 

Drei Fragen zur Mindset-Forschung an Psychologie-Professor Hannes Zacher

Über die Kraft unserer inneren Einstellung haben wir außerdem mit Professor Hannes Zacher von der Universität Leipzig gesprochen. Er erklärt, wie unser Mindset unser Leben prägt – und wie wir es ändern können.

Wie wichtig ist unser Mindset für unser Erleben der Welt?

Unsere grundlegenden, tief verwurzelten Überzeugungen können sich stark auf unsere alltäglichen Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen auswirken. Wenn ich beispielsweise überzeugt bin, dass ich viele positive Dinge im Leben erreichen kann, gehe ich anders an meine Aufgaben heran und auf andere Menschen zu, als wenn ich ständig darauf aus bin, Misserfolge abzuwenden.

Ein anderes Beispiel: Wenn wir glauben, dass wir uns und andere Menschen sich positiv verändern können, nehmen wir viel eher Chancen für Veränderungen wahr und verbessern uns tatsächlich, als wenn wir glauben, dass Menschen sich nicht ändern können und wollen.

Inwiefern beeinflusst die persönliche Einstellung Wohlbefinden und Gesundheit?

Neben unserem materiellen und sozialen Umfeld spielen unsere Überzeugungen eine wichtige Rolle für unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit. Beispielsweise zeigen viele Studien, dass unser Glaube an die eigene Fähigkeit und Kontrolle darüber, ein gesundes Leben zu führen, einen bedeutsamen Einfluss darauf hat, ob wir uns tatsächlich gesund ernähren, regelmäßig Sport treiben und uns sozial engagieren. Wenn wir dagegen überzeugt sind, dass wir keinen Einfluss auf unser Wohlbefinden haben, werden wir erst gar nicht aktiv und stoßen keine Veränderungen in unserem Leben an.

Wie können wir unser Mindset ändern?

Das fällt vielen Menschen erst einmal nicht so leicht, weil wir unsere Überzeugungen über eine lange Zeit erlernen und durch unser Verhalten weiter verstärken. Aber die wissenschaftliche Psychologie zeigt, dass drei Dinge zu Veränderungen beitragen: Zum einen können kleine Erfolgserlebnisse und neue Erfahrungen über die Zeit dazu führen, dass sich unser Mindset ändert. Zweitens können wir uns realistische und positive Vorbilder suchen, denen wir nacheifern wollen – das können Freunde und Verwandte oder Menschen aus den sozialen Medien sein. Und drittens hilft es, wenn andere und wir uns selbst gut zureden und unterstützen: „Du schaffst das – ich glaube daran, dass Du Dich verändern kannst!“

Fazit: Wichtige Erkenntnisse aus der Mindset-Forschung

  • Unsere Überzeugungen wirken sich stark auf unsere Gedanken und Verhaltensweisen aus.
  • Eine positive Einstellung zum Älterwerden wirkt sich auf die Lebensdauer aus.
  • Wer sich und andere als veränderbar wahrnimmt, kann am ehesten positive Veränderungen umsetzen.
  • Das Mindset lässt sich mittels Erfolgserlebnissen und Erfahrungen verändern, auch Vorbilder und gutes Zureden können dabei helfen.
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